Bienenbrot (Perga): Der seltene Schatz aus der Wabe
Honig kennt jeder. Aber kaum jemand weiß, dass im Bienenstock noch ein zweiter Vorrat lagert: Bienenbrot, auch Perga genannt. Es ist selten, schmeckt überraschend anders als Honig und lässt sich nur in mühsamer Handarbeit ernten. Hier erfährst du, was dahintersteckt – und wie du es am besten probierst.
Was ist Bienenbrot (Perga)?
Bienenbrot ist der Pollenvorrat des Bienenvolkes. Die Bienen lagern gesammelten Blütenpollen in Wabenzellen direkt neben dem Brutnest ein und machen ihn dort mit eigenen Sekreten haltbar [1].
„Perga“ ist der osteuropäische Name für dasselbe Produkt. Mit Brot vom Bäcker hat es nichts zu tun – kein Getreide, kein Ofen. Der Name passt trotzdem: Für das Bienenvolk ist Pollen die einzige Quelle für Eiweiß und Fette, also so etwas wie das tägliche Brot [1].
Wie entsteht Bienenbrot im Bienenstock?
Bienenbrot entsteht in vier Schritten, und jeder davon ist Bienenarbeit.
- Sammeln: Eine Biene besucht zahllose Blüten, kämmt den Pollen aus ihrem Haarkleid und formt ihn an den Hinterbeinen zu zwei „Pollenhöschen“. Jedes wiegt höchstens 10 mg [1].
- Einlagern: Im Stock streift sie die Höschen ab. Stockbienen stampfen den Pollen Schicht für Schicht in die Wabenzellen [1].
- Verschließen: Die volle Zelle wird mit Honig und Wachs abgedeckt, sodass kaum noch Luft an den Pollen kommt [2][3].
- Reifen: Unter Luftabschluss läuft eine Milchsäuregärung ab – nach rund einer Woche ist aus Pollen Bienenbrot geworden [2].
Das Prinzip kennst du vom Sauerkraut oder vom Sauerteig: Die Säure macht den Vorrat haltbar und gibt ihm seinen eigenen Geschmack.
Warum ist Bienenbrot so selten?
Bienenbrot ist selten, weil ein Volk nur wenig davon abgeben kann und die Ernte fast reine Handarbeit ist. In einem dreijährigen Versuch in Polen kamen im Schnitt gerade einmal 0,72 kg je Bienenvolk und Jahr zusammen [4].
Honig lässt sich schleudern. Bienenbrot nicht – es sitzt fest in der Zelle. Der Imker hebt es entweder mit einem kleinen Spatel Stück für Stück heraus [1], oder er friert die Wabe ein, bricht das spröde Wachs weg, trocknet das Bienenbrot schonend und siebt es aus [4].
Im polnischen Versuch steckten in 20 kg fertigem Bienenbrot 112 Arbeitsstunden [4]. Das sind mehr als fünf Stunden pro Kilo.
Dazu kommt die Rücksicht auf das Volk: Die Bienen brauchen ihren Pollenvorrat für die Brut. Ein guter Imker nimmt deshalb nur, was das Volk entbehren kann [4]. Das erklärt, warum du Bienenbrot im Supermarkt kaum findest – und warum es seinen Preis hat.
Wie schmeckt Bienenbrot?
Bienenbrot schmeckt süß-säuerlich und kräftig, mit blumigen bis fruchtigen Noten. Die Farbe erinnert an Karamell [2].
Wer nur Honig kennt, ist beim ersten Probieren überrascht: weniger süß, dichter, mit einer feinen Säure. Die kleinen Stücke sind fest und haben oft noch die sechseckige Form der Wabenzelle.
Kein Stück Bienenbrot schmeckt genau wie das andere. Je nachdem, welche Pflanzen gerade geblüht haben, fällt Bienenbrot mal heller und milder, mal dunkler und herber aus [3].
Wie isst man Bienenbrot am besten?
Am einfachsten pur: Ein paar Stücke (wir empfehlen 10-15 Stücke pro Tag) langsam im Mund zergehen lassen. So schmeckst du am meisten.
Im Alltag passt es fast überall, wo du sonst Nüsse oder Honig verwendest:
- über Müsli, Porridge oder Joghurt gestreut
- in Quark oder einen Smoothie gerührt
- mit Honig auf dem Butterbrot
- als Topping auf Obstsalat
Unser Tipp für Einsteiger: Bienenbrot in Honig. Die Stücke werden darin weicher, die Säure trifft auf Süße – und du kannst es einfach löffeln oder aufs Brot streichen.
Nicht erhitzen: Gib Bienenbrot erst zum Schluss dazu, wenn Porridge oder Tee nicht mehr heiß sind. So bleibt der Geschmack erhalten.

Bienenbrot oder Blütenpollen – was ist der Unterschied?
Blütenpollen wird am Flugloch abgefangen, bevor er in den Stock gelangt. Bienenbrot hat die Einlagerung und Reifung in der Wabe schon hinter sich [1].
|
|
Blütenpollen |
Bienenbrot (Perga) |
|---|---|---|
|
Gewinnung |
Pollenfalle am Flugloch [1] |
Stück für Stück aus der Wabe [1] |
|
Geschmack |
Mild, leicht mehlig |
Süß-säuerlich, kräftig |
|
Form |
Lose, bunte Körnchen |
Feste Stücke in Zellenform |
|
Verfügbarkeit |
Gut erhältlich |
Selten, aufwendige Ernte [4] |
Beides stammt aus derselben Quelle. Wer Blütenpollen schon kennt und mag, findet im Bienenbrot die kräftigere, gereifte Variante.
Wo kann man Bienenbrot kaufen?
Am besten direkt beim Imker – dort weißt du, woher es kommt und wie es behandelt wurde. Wir sind ein Familienbetrieb, der seit fünf Generationen imkert und stellen unser Bienenbrot selber her.
Bei uns bekommst du es in drei Varianten:
|
Produkt |
Für wen? |
|---|---|
|
Für alle, die den reinen Geschmack wollen – zum Naschen, Streuen und Einrühren |
|
|
Der sanfte Einstieg: Löffelfertig, süß mit feiner Säure |
|
|
Honig mit Bienenbrot, Blütenpollen, Propolis und Gelée Royale in einem Glas |
Du kannst dich nicht entscheiden? Im Bienenkraft-Paket probierst du dich durch drei Gläser.
Weil ein Volk nur wenig Bienenbrot hergibt, ist unser Vorrat begrenzt. Jetzt Bienenbrot im Shop entdecken
Woran erkennst du gutes Bienenbrot?
- Herkunft: Der Imker steht mit Namen und Adresse auf dem Glas.
- Aussehen: Feste, klar geformte Stücke – kein Staub, keine Wachsreste.
- Geruch: Angenehm säuerlich-würzig, nicht muffig.
- Zutaten: Bei purem Bienenbrot steht genau eine Zutat auf dem Etikett.
Welche Wirkung hat Bienenbrot?
Dazu dürfen wir als Imkerei rechtlich keine Aussagen treffen – und tun es deshalb auch nicht. Bienenbrot ist ein Lebensmittel, kein Arzneimittel.
Das EU-Recht erlaubt gesundheitsbezogene Angaben zu Lebensmitteln nur, wenn sie ausdrücklich zugelassen sind, und verbietet jede Aussage über Vorbeugung oder Heilung von Krankheiten [6][7].
Wer mehr wissen möchte, kann sich selbst ein Bild machen: Fachliteratur und Studien sind frei zugänglich, zum Beispiel über die Datenbank PubMed. Das Quellenverzeichnis unten ist ein guter Einstieg.
Was sagt die Forschung zu Bienenbrot?
Bienenbrot wird erst seit wenigen Jahren intensiver untersucht. Der Schwerpunkt liegt auf seiner Zusammensetzung.
- In Proben aus verschiedenen Ländern wurden mehr als 300 Einzelverbindungen nachgewiesen, darunter Aminosäuren, Zucker, Fettsäuren, Mineralstoffe, Vitamine und Polyphenole [3].
- Übersichtsarbeiten nennen 14–37 % Eiweiß, 24–75 % Kohlenhydrate und 6–13 % Fett. Die Werte schwanken stark mit den Trachtpflanzen und der Region [2][3].
- Umstritten ist, wie sehr sich der Pollen in der Wabe verändert. Viele Autoren beschreiben eine Gärung, die ihn umwandelt [2]. Eine US-Arbeitsgruppe sieht darin vor allem eine Konservierung [5].
- Studien mit Menschen gibt es bisher nur wenige und mit kleinen Teilnehmerzahlen [3].
Die Zahlen stammen aus einzelnen Untersuchungen und sind keine Nährwertangaben für unser Produkt.
Wie lagert man Bienenbrot – und für wen ist es nicht geeignet?
Bienenbrot mag es kühl, trocken und dunkel, das Glas immer gut verschlossen. Maßgeblich ist das Mindesthaltbarkeitsdatum auf dem Etikett.
Wer auf Pollen oder Bienenprodukte allergisch reagiert, sollte auf Bienenbrot verzichten – es besteht aus dem Pollen vieler verschiedener Pflanzen [1]. Wie Honig ist es außerdem nichts für Säuglinge unter zwölf Monaten.
Neugierig geworden? Hier geht es zu unserem Bienenbrot – direkt vom Imker zu dir nach Hause.
Quellenverzeichnis
Quellen zuletzt abgerufen am 9. Oktober 2026.
[1] von der Ohe, W. (2006): Steckbrief Pollen. Das Bieneninstitut Celle informiert (27). LAVES – Institut für Bienenkunde Celle. PDF
[2] Barta, D. G.; Cornea-Cipcigan, M.; Margaoan, R.; Vodnar, D. C. (2022): Biotechnological Processes Simulating the Natural Fermentation Process of Bee Bread and Therapeutic Properties – An Overview. Frontiers in Nutrition 9, 871896. doi:10.3389/fnut.2022.871896
[3] Bakour, M.; Laaroussi, H.; Ousaaid, D.; El Ghouizi, A.; Es-Safi, I.; Mechchate, H.; Lyoussi, B. (2022): Bee Bread as a Promising Source of Bioactive Molecules and Functional Properties: An Up-To-Date Review. Antibiotics 11(2), 203. doi:10.3390/antibiotics11020203
[4] Semkiw, P.; Skubida, P. (2021): Bee Bread Production – A New Source of Income for Beekeeping Farms? Agriculture 11(6), 468. doi:10.3390/agriculture11060468
[5] Anderson, K. E.; Carroll, M. J.; Sheehan, T.; Mott, B. M.; Maes, P.; Corby-Harris, V. (2014): Hive-stored pollen of honey bees: many lines of evidence are consistent with pollen preservation, not nutrient conversion. Molecular Ecology 23(23), 5904–5917. doi:10.1111/mec.12966
[6] Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Dezember 2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel, insbesondere Art. 10. EUR-Lex
[7] Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Oktober 2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel, insbesondere Art. 7 Abs. 3. EUR-Lex