Manuka-Honig gilt als Luxus unter den Honigen. Gläser mit hohen MGO-Zahlen kosten schnell mehr als ein gutes Abendessen – und sie haben eine Reise um die halbe Welt hinter sich. Doch was steckt wirklich im Glas? Warum ist Manuka-Honig so oft Gegenstand von Beanstandungen? Und warum verzichten wir als Imkerei Buss & Sohn bewusst darauf? In diesem Beitrag schauen wir genau hin – mit Studien, amtlichen Zahlen und einer ehrlichen Einordnung.
Was ist Manuka-Honig eigentlich?
Manuka-Honig stammt aus Neuseeland, in geringerem Umfang auch aus Australien. Bienen sammeln dafür den Nektar der Südseemyrte (Leptospermum scoparium), einem Strauch, der dort nur wenige Wochen im Jahr blüht. Die kurze Blütezeit, abgelegene Standorte und die weltweite Nachfrage machen den Honig knapp – und damit teuer.
Das Inhaltsstoffprofil: Was Manuka-Honig besonders macht
Der entscheidende Unterschied zu anderen Honigen ist der Stoff Methylglyoxal (MGO). Lebensmittelchemiker der TU Dresden um Prof. Thomas Henle haben 2008 gezeigt, dass Manuka-Honige aus Neuseeland außergewöhnlich hohe MGO-Gehalte aufweisen – ein Vielfaches herkömmlicher Honige [1]. Ein Jahr später klärte eine neuseeländische Forschungsgruppe, woher das MGO kommt: Im Nektar der Manuka-Blüte steckt Dihydroxyaceton (DHA), das sich während der Lagerung im Honig langsam zu MGO umwandelt [2].
Genau dieser Wert steht auf den Etiketten – als „MGO 100+“, „MGO 550+“ oder im neuseeländischen Markenzeichen „UMF“, das zusätzlich Leptosperin, DHA und HMF bewertet [8]. Und genau dieser Wert bestimmt den Preis.
Und heimischer Honig?
Heimische Honige haben ein anderes, aber nicht weniger spannendes Profil. Jede Sorte trägt die Handschrift ihrer Trachtpflanzen. Der Kornblumenhonig etwa wird in der Bienenkunde der Humboldt-Universität Berlin über das Lumichrom beschrieben, einen sortentypischen Marker, der dem Honig seine leicht grünlich schimmernde Farbe verleiht [9]. Waldhonig wiederum unterscheidet sich schon rein messtechnisch: Die Honigverordnung schreibt für Honigtauhonig eine elektrische Leitfähigkeit von mindestens 0,8 mS/cm vor, für die meisten Blütenhonige dagegen höchstens 0,8 mS/cm [10].
Kurz gesagt: Manuka-Honig ist chemisch nicht „besser“, sondern anders. Welcher Honig Ihnen zusagt, ist eine Frage von Geschmack, Herkunft und Nachvollziehbarkeit.
Die Schattenseite: Beanstandungen rund um Manuka-Honig
Wo hohe Preise auf knappe Mengen treffen, lohnt sich Betrug. Beim Manuka-Honig ist das amtlich dokumentiert:
• Jede dritte Probe nicht konform: Die britische Lebensmittelbehörde Food Standards Agency hat in einem Probenprogramm 93 auf dem britischen Markt verkaufte Manuka-Honige untersucht. 32 davon, also rund 34 Prozent, erfüllten die Anforderungen nicht: Bei 11 lag der HMF-Wert über dem Grenzwert, 10 entsprachen bei der angegebenen Aktivität nicht dem Etikett und 10 verfehlten die Pollenkriterien [4].
• Künstlich aufgewertet: 2019 verurteilte ein neuseeländisches Gericht den Exporteur Evergreen Life zu Strafen von insgesamt 372.500 NZ-Dollar. Das Unternehmen hatte rund 14,5 Tonnen Honig synthetisches MGO und DHA zugesetzt, um höhere Manuka-Werte vorzutäuschen. Die Ware ging unter anderem in die USA, nach China und nach Australien [5].
Neuseeland hat reagiert: Seit Dezember 2017 gilt eine amtliche wissenschaftliche Definition. Honig, der als Manuka exportiert wird, muss in einem anerkannten Labor auf vier chemische Marker und einen DNA-Marker der Manuka-Pflanze geprüft werden [3]. Das ist ein wichtiger Fortschritt, und seriöse Anbieter gibt es selbstverständlich. Doch sobald der Honig Neuseeland verlässt, durch mehrere Hände geht, umgefüllt, gemischt oder neu etikettiert wird, ist für Verbraucher kaum noch nachvollziehbar, was im Glas landet.
Ein Problem nicht nur bei Manuka: Importhonig allgemein
Unabhängig vom Manuka-Honig gibt es ein grundsätzliches Thema bei importiertem Honig. In einer koordinierten Aktion der EU-Kommission wurden zwischen November 2021 und Februar 2022 insgesamt 320 Honig-Lieferungen aus 20 Drittländern untersucht. 46 Prozent davon standen im Verdacht, mit billigen Zuckersirupen gestreckt zu sein [6]. Wichtig zur Einordnung: Es handelt sich um einen Verdacht aufgrund von Laborbefunden, nicht um rechtskräftig festgestellte Fälschungen, und die Untersuchung betraf Importhonig allgemein und nicht speziell Manuka-Honig.
Preis, Transport und Zwischenhandel – eine ehrliche Rechnung
Große Preisunterschiede schon im Ursprungsland
Wie groß der Abstand ist, zeigt die amtliche Exportstatistik Neuseelands. Im Wirtschaftsjahr 2019/20 lag der durchschnittliche Exportpreis für monofloralen Manuka-Honig bei 55,36 NZ-Dollar je Kilogramm, für multifloralen Manuka bei 32,44 und für allen übrigen neuseeländischen Honig bei 22,50 NZ-Dollar [7]. Das ist der Preis ab Neuseeland, noch vor Fracht, Zoll, Importeur, Großhandel und Einzelhandel. Im deutschen Regal landet ein Vielfaches davon.
Rund 18.000 Kilometer bis ins Frühstücksregal
Zwischen Neuseeland und Deutschland liegen rund 18.000 Kilometer Luftlinie. Jedes Glas Manuka-Honig hat damit eine lange Reise per Schiff oder Flugzeug hinter sich. Regionaler Honig legt vom Bienenstand bis zu Ihnen oft nur wenige Kilometer zurück. Das ist auch ein Qualitätsthema: Lange Lagerung und Wärme lassen den HMF-Wert im Honig steigen – genau jener Wert, an dem in der britischen Untersuchung elf Proben scheiterten [4].
Viele Hände, wenig Transparenz
Wirklich guten Manuka-Honig zu finden, ist aufwendig. Die meisten Gläser in Deutschland kommen nicht direkt vom neuseeländischen Imker, sondern über Importeure, Großhändler und Abfüller. Jede zusätzliche Station erhöht den Preis – und senkt die Nachvollziehbarkeit.

Warum wir bei Buss & Sohn auf Manuka-Honig verzichten
Wir sind Imker aus Leidenschaft. Wir wissen, an welchem Standort unsere Bienen fliegen, welche Pflanzen gerade blühen und wann wir schleudern. Genau diese Transparenz könnten wir bei Manuka-Honig nicht bieten: Wir müssten ihn über Zwischenhändler beziehen, könnten die Herkunft nicht selbst kontrollieren und würden ein Produkt um die halbe Welt transportieren lassen, für das es hervorragende Alternativen direkt vor unserer Haustür gibt.
Deshalb haben wir uns bewusst entschieden: Kein Manuka-Honig in unserem Shop. Stattdessen setzen wir auf das, was unsere Bienen und unsere Region hergeben.
Regionale Alternativen zu Manuka-Honig
Kornblumenhonig – eine echte Rarität
Kornblumenhonig gehört zu den besonderen Sortenhonigen Deutschlands. Er überrascht mit einem ungewöhnlichen, leicht herben Aroma und einer gelblich-grünlich schimmernden Farbe, die auf den sortentypischen Marker Lumichrom zurückgeht [9]. Da die Kornblume nur auf bestimmten Flächen in ausreichender Menge blüht, ist er nicht jedes Jahr und nicht überall verfügbar. Kornblumenhonig jetzt entdecken
Waldhonig – der kräftige Klassiker aus der Region
Waldhonig entsteht nicht aus Blütennektar, sondern aus Honigtau – dem zuckerhaltigen Saft, den Blattläuse an Fichten und Tannen ausscheiden. Das Ergebnis ist ein dunkler, kräftig-malziger Honig, der weniger süß schmeckt als Blütenhonig und lange flüssig bleibt. Die Honigverordnung führt Honigtauhonig als eigene Honigart mit einer elektrischen Leitfähigkeit von mindestens 0,8 mS/cm [10] – ein Hinweis auf seinen höheren Gehalt an Mineralstoffen und organischen Säuren. Waldhonig jetzt entdecken
Honig mit Propolis
Propolis ist das harzige „Kittharz“, das Bienen aus Knospen und Baumrinden sammeln, um ihren Stock abzudichten. In unserer Honigzubereitung mit Propolis verbinden wir die Süße des Honigs mit dem würzig-harzigen Charakter der Propolis – eine aromatische Spezialität für alle, die gerne Neues probieren. Propolis im Honig jetzt entdecken
Bienengold – unser Premium-Produkt
Mit Bienengold haben wir eine Mischung geschaffen, die fast alles vereint, was ein Bienenvolk hervorbringt: Honig mit Propolis, Gelée Royale (dem Futtersaft der Königin), Blütenpollen und Bienenbrot (von den Bienen fermentierter Pollen). Ein intensives Geschmackserlebnis – und ein Produkt, dessen Herkunft wir von der Wabe bis ins Glas kennen. Bienengold jetzt entdecken
Gut zu wissen: Nach EU-Recht dürfen für Lebensmittel nur gesundheitsbezogene Angaben verwendet werden, die von der Europäischen Kommission ausdrücklich zugelassen wurden [11]. Für Honig, Propolis oder Gelée Royale gibt es solche zugelassenen Angaben bisher nicht – auch nicht für Manuka-Honig. Seien Sie daher skeptisch bei Wirkversprechen auf Etiketten oder in der Werbung. Übrigens: Reinem Honig dürfen nach der Honigverordnung keine anderen Stoffe als Honig zugefügt werden [10]. Produkte mit Propolis oder Gelée Royale werden deshalb korrekt als Honigzubereitung bezeichnet.
Fazit: Lieber regional und nachvollziehbar
Manuka-Honig ist ein faszinierendes Naturprodukt mit einem einzigartigen Inhaltsstoffprofil. Hohe Preise, lange Transportwege, vielstufige Lieferketten und amtlich dokumentierte Beanstandungen machen ihn aber zu einem Produkt, bei dem Sie genau hinschauen sollten. Wer Wert auf Echtheit, Frische und Regionalität legt, findet bei heimischen Imkern hervorragende Alternativen.
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Häufig gestellte Fragen zum Thema Manuka-Honig
Was ist Manuka-Honig?
Manuka-Honig ist ein Sortenhonig aus Neuseeland. Die Bienen sammeln dafür den Nektar der Südseemyrte (Leptospermum scoparium), die dort nur wenige Wochen im Jahr blüht.
Was bedeutet MGO bei Manuka-Honig?
MGO steht für Methylglyoxal. Der Wert auf dem Etikett – etwa „MGO 250+“ – gibt an, wie viel Milligramm davon in einem Kilogramm Honig enthalten sind [1].
Was ist der Unterschied zwischen MGO und UMF?
MGO nennt allein den gemessenen Methylglyoxal-Gehalt. UMF ist ein neuseeländisches Markenzeichen und bewertet vier Werte zugleich: MGO, Leptosperin, DHA und HMF [8].
Warum ist Manuka-Honig so teuer?
Die Manuka-Blüte blüht nur kurz, die Erntemenge ist klein. Schon im Export lag monofloraler Manuka 2019/20 bei 55,36 NZ-Dollar je Kilogramm, anderer neuseeländischer Honig bei 22,50 [7].
Wie erkenne ich echten Manuka-Honig?
Honig, der als Manuka exportiert wird, muss in einem anerkannten Labor geprüft werden [3]. Achten Sie auf die Herkunft Neuseeland, eine Chargennummer und ein Laborzertifikat.
Wird Manuka-Honig wirklich oft beanstandet?
In einem Probenprogramm der britischen Lebensmittelbehörde entsprachen 32 von 93 Proben nicht den Anforderungen [4]. 2019 wurde zudem ein Exporteur wegen zugesetzter synthetischer Stoffe verurteilt [5].
Ist Manuka-Honig besser als deutscher Honig?
Er ist nicht besser, sondern anders. Manuka enthält mehr MGO [1]. Heimische Honige bringen eigene sortentypische Aromen und Marker mit [9] – und eine kurze Lieferkette.
Welche Alternative gibt es zu Manuka-Honig?
Regionale Sortenhonige wie Kornblumen- oder Waldhonig, Honigzubereitungen mit Propolis oder unser Bienengold – direkt vom Imker und ohne langen Transportweg.
Wie lange ist Honig haltbar?
Honig ist bei kühler, dunkler und trockener Lagerung sehr lange haltbar. Imker geben üblicherweise ein Mindesthaltbarkeitsdatum von zwei Jahren an.
Darf man Honig erhitzen?
Starkes Erhitzen und lange Lagerung lassen den HMF-Wert steigen und die Enzymaktivität sinken – beides sind Qualitätsmerkmale der Honigverordnung [10]. Rühren Sie Honig deshalb erst in abgekühlte Speisen.
Quellenverzeichnis
Alle Online-Quellen zuletzt abgerufen am 22. Oktober 2026.
[1] Mavric E., Wittmann S., Barth G., Henle T. (2008): Identification and quantification of methylglyoxal as the dominant antibacterial constituent of Manuka (Leptospermum scoparium) honeys from New Zealand. Molecular Nutrition & Food Research 52(4), 483–489. https://doi.org/10.1002/mnfr.200700282
[2] Adams C. J., Manley-Harris M., Molan P. C. (2009): The origin of methylglyoxal in New Zealand manuka (Leptospermum scoparium) honey. Carbohydrate Research 344(8), 1050–1053. https://doi.org/10.1016/j.carres.2009.03.020
[3] Ministry for Primary Industries (MPI), Neuseeland: Ensuring mānuka honey is authentic – wissenschaftliche Definition für Manuka-Honig, in Kraft seit Dezember 2017. https://www.mpi.govt.nz/food-business/honey-bee-products-processing-requirements/manuka-honey-testing
[4] Food Standards Agency (FSA), Vereinigtes Königreich: Surveillance activity of Manuka honey on the UK market – Auswertung des Probenprogramms 2014/15. https://acss.food.gov.uk/sites/default/files/manukareport-final-2016.pdf
[5] Ministry for Primary Industries (MPI), Neuseeland (28.06.2019): Fines totalling $372,500 imposed in landmark mānuka honey fraud case. https://www.mpi.govt.nz/news/media-releases/fines-totalling-372500-imposed-in-landmark-manuka-honey-fraud-case
[6] Europäische Kommission, Gemeinsame Forschungsstelle (23.03.2023): Food fraud: How genuine is your honey? – Ergebnisse der EU-Aktion „From the Hives“ (2021–2022). https://joint-research-centre.ec.europa.eu/jrc-news-and-updates/food-fraud-how-genuine-your-honey-2023-03-23_en
[7] Ministry for Primary Industries (MPI), Neuseeland: Apiculture Monitoring Programme Report 2020 – Exportpreise nach Honigsorte, Wirtschaftsjahr 2019/20. https://www.mpi.govt.nz/dmsdocument/44068-Apiculture-Moniotoring-Report-2020
[8] UMF Honey Association, Neuseeland: Unique Mānuka Factor (UMF) Grading System – Bewertung anhand von MGO, Leptosperin, DHA und HMF. https://www.umf.org.nz/unique-manuka-factor/
[9] Humboldt-Universität zu Berlin, Bienenkunde: Untersuchungen zu Inhaltsstoffen von Honig und Charakterisierung von Sortenhonigen (u. a. Kornblumenhonig und Lumichrom). https://www2.hu-berlin.de/bienenkunde2/index.php?id=212
[10] Honigverordnung (HonigV) vom 16. Januar 2004, zuletzt geändert; Anlage 2 (Beschaffenheitsmerkmale). Bundesministerium der Justiz. https://www.gesetze-im-internet.de/honigv_2004/BJNR009200004.html
[11] Europäische Kommission: EU Register of nutrition and health claims made on foods (Verordnung (EG) Nr. 1924/2006). https://food.ec.europa.eu/food-safety/labelling-and-nutrition/nutrition-and-health-claims/eu-register-health-claims_en
2 Kommentare
Sehr geehrter Herr Schröder,
vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihre Anregung!
Das Thema der natürlichen Inhaltsstoffe verschiedener Honigsorten ist tatsächlich sehr spannend. Leider sind uns als Imkerei und Onlineshopbetreiber durch die sogenannte EU-Health-Claims-Verordnung rechtlich enge Grenzen gesetzt.
Gesundheitsbezogene Aussagen über Lebensmittel dürfen wir nur dann veröffentlichen, wenn diese entsprechend den gesetzlichen Vorgaben zugelassen sind. Das gilt auch dann, wenn es wissenschaftliche Untersuchungen zu bestimmten Inhaltsstoffen gibt.
Da Verstöße gegen diese Vorschriften kostspielige wettbewerbsrechtliche Abmahnungen nach sich ziehen können, müssen wir bei der Formulierung unserer Blogartikel besonders vorsichtig sein.
Wir würden gerne noch ausführlicher über diese Themen informieren, müssen uns jedoch an die geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen halten.
Es freut uns sehr, dass Ihnen unser Waldhonig und Kornblumenhonig so gut schmecken. Wir sind gespannt, wie Ihnen unser Bienengold schmecken wird!
Freundliche Grüße
Eduard Buss
Imkerei Buss & Sohn
Ich vermisse in Ihren Ausführungen den Hinweis auf Nährstoffe und Elemente, die die Gesundheit positiv beeinflussen.
Waldhonig und Kornblumenhonig sind meine bevorzugten Honige, auch lindenblütenhonig, der hat für mich einen echt kräftigen Honiggeschmack. Bienengold werde ich auch mal probieren .